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Presenza mit OSI & Sol Gabetta legt richtig los

«Wie definiert sich ein musikalisches Werk? Der Komponist hat uns, "lediglich" auf Papier niedergeschrieben, das hinterlassen, was von Künstlerinnen und Künstlern in unendlich vielen Versionen interpretiert werden kann. Aber bedeuten diese Versionen alle ein und dasselbe Werk? Oder steht jede Interpretation sozusagen für eine neue, eigenständige Kreation? Wo, was ist das Original? Im Manuskript des Komponisten, oder in der Erst-Ausgabe? In den Händen des Interpreten - oder gar in den Ohren des Zuhörers? Mit Presenza Ende Mai im LAC Lugano möchten wir uns mit dieser faszinierenden Frage auseinandersetzen».

Die Cellistin Sol Gabetta und ihr Lebenspartner Balthazar Soulier, als künstlerische Leiterin und Kurator von Presenza, haben zusammen mit dem OSI das musikalische, neuartige Format in der Woche vor Pfingsten 2021 ausprobiert. Nun legt das Festival Presenza vom 3. bis 6. Juni 2022 richtig los: Bis 2024 sind vorerst drei Ausgaben vorgesehen, die alle in Zusammenarbeit mit dem LAC und unter der künstlerischen Leitung von Sol Gabetta, zusammen mit Balthazar Soulier, veranstaltet werden.

Alternativen zum traditionellen Konzert erproben

Das Festival bildet eine Art Carte blanche, dessen Ziel es ist, Alternativen zum formalen Rahmen des klassischen Sinfoniekonzerts mit Solisten zu erproben, welches seit dem Ende des 19. Jahrhunderts praktisch unverändert geblieben ist. Heute noch ist die Abfolge der Stücke immer die gleiche, mit einem Solokonzert im ersten und einer Sinfonie im zweiten Teil, und es gibt nur eine einzige mögliche Bühnenaufstellung, während das «Ritual» des Abends selbst festen Verhaltensregeln folgt (Ruhe im Saal, Applause nur in bestimmten Momenten): Das sind alles Bestimmungen, die an sich nicht falsch sind, jedoch nicht die einzige Form darstellen, ein Konzert zu hören. Sie bilden nur eine mögliche Form unter vielen, die sich ausserdem erst spät in der Musikgeschichte etablierte. Den Solisten lässt die Situation noch weniger Spielraum: Sie haben bei der Programmwahl wenig zu sagen (Die Programme werden vor allem von den Intendanten und Dirigenten festgelegt), und werden erst anlässlich des Konzerts selbst miteinbezogen, wobei sie oft wenige Probestunden zur Verfügung haben.

Aus all diesen Gründen hat Sol Gabetta das Angebot des OSI angenommen, um etwas neues in den neuen multifunktionalen und kreativen Räumen des LAC in Zusammenarbeit mit dem Chefdirigenten des OSI Markus Poschner zu erschaffen.

Mit Presenza beabsichtigt man also, neue Wege des Konzertgenusses zu gehen, indem man sich an den ursprünglichen Rahmen anlehnt, in welchem die Werke (vor allem aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts) komponiert, konzipiert und aufgeführt wurden, unter grosser Berücksichtigung der szenisch-theatralischen Komponente. Sol Gabetta zufolge sollte bei einem Grossteil des historischen Repertoires die theatralische Dimension der Aufführungen stärker berücksichtigt werden: man muss an alle Einzelheiten denken, welche sowohl die Spielweise als auch den Hörgenuss beeinflussen können, von der Beleuchtung bis zur Anordnung der Bühne und des Publikums. «Wir sind überzeugt, dass bereits kleinere Anpassungen des klassischen «Rituals» und des Konzertprogramms eine grosse Wirkung haben können», betonen Sol Gabetta und Balthazar Soulier. «Was das Repertoire betrifft, können wir mit dem OSI eine ganze Reihe von sehr wertvollen, teilweise auch von berühmten Opernarien inspirierten Cellostücken aus dem 19. Jahrhundert wiederentdecken, die heute leider in Vergessenheit geraten und nicht mehr gespielt werden».

Auch Markus Poschner unterstreicht die Bedeutung dieses Experiments: «Wir wollten etwas, das sich von unserem alltäglichen Konzertleben abhebt, wenn auch dieses den Hauptteil unserer Tätigkeit ausmacht. Wir wollten uns selbst dieses Geschenk machen, nicht nur ich und Sol, sondern auch das ganze Orchestra della Svizzera italiana, denn wir sind durstig nach Neuem: Wir sind auf der Suche nach einem Sinn und nach anderen Perspektiven».

«Ein Konzert ist nicht bloss ein akustisches Ereignis, sondern beinhaltet auch andere Dimensionen, die eine wichtige Rolle spielen – die visuelle, die soziale, die theatralische, die historische», sagen zum Abschluss Sol Gabetta und Soulier. «Das sind alles Komponenten, die miteinander interagieren. Wir wollen diese Interaktionen verstärken und auch das Publikum daran teilhaben lassen, indem wir ihm helfen zu erkennen, dass es selbst ein bedeutender Teil des Ganzen ist und dass es gar auf die Interpretation der Künstlerinnen und Künstler Einfluss haben kann».

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Das Concert Movie

Seit dem ersten Ausprobieren im Mai 2021 hat das Projekt Presenza auch Anlass dazu geboten, originelle Videos zu realisieren, insbesondere ein spezielles Concert Movie unter Mitwirkung des Vereins REC (Lugano) und von hoch qualifizierten, mehrfach international preisgekrönten Tonmeistern. Unter ihnen befanden sich auch Techniker von der von Damien Quintard gegründeten und geleiteten The Mono Company. In Lugano wollte Quintard - ein steigender Stern unter den Tonmeistern und Mitarbeiter u. von Teodor Currentzis - ganz spezielle Mikrofone ausprobieren, die sich an diejenigen der 50er und 60er Jahre anlehnen und sich besonders für das Einfangen bestimmter klangnuancen eignen. Die Realisierung des Concert Movie durch eine sorgfältige Nachproduktionsphase bis hin zu seiner offiziellen, öffentlichen Präsentation wurde in einer Ausgabe der berühmten deutschen Klassiksendung KlickKlack unter der Regie von Alexander Hellbrügge dokumentiert.

Schauen Sie die Sendung KlickKlack über das Concert Movie mit Sol Gabetta:

Seit dem ersten Ausprobieren im Mai 2021 hat das Projekt Presenza auch Anlass dazu geboten, originelle Videos zu realisieren, insbesondere ein spezielles Concert Movie unter Mitwirkung des Vereins REC (Lugano) und von hoch qualifizierten, mehrfach international preisgekrönten Tonmeistern. Unter ihnen befanden sich auch Techniker von der von Damien Quintard gegründeten und geleiteten The Mono Company. In Lugano wollte Quintard - ein steigender Stern unter den Tonmeistern und Mitarbeiter u. von Teodor Currentzis - ganz spezielle Mikrofone ausprobieren, die sich an diejenigen der 50er und 60er Jahre anlehnen und sich besonders für das Einfangen bestimmter klangnuancen eignen. Die Realisierung des Concert Movie durch eine sorgfältige Nachproduktionsphase bis hin zu seiner offiziellen, öffentlichen Präsentation wurde in einer Ausgabe der berühmten deutschen Klassiksendung KlickKlack unter der Regie von Alexander Hellbrügge dokumentiert.

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Sol Gabetta e il compagno Balthazar Soulier, curatore di Presenza

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